Zeitnot

Heute kam zuerst A. (44) zum Gesangsunterricht.
Ich begann mit ihr mit Übungen in die Tiefe, wo sie weich nach unten gehen soll. Das gelang auch ganz gut. Diese Übung nahm ich besonders deshalb dran, weil in dem einen Musicallied ja so eine tiefe Stelle dran kommt.
Wir arbeiteten dann an einem italienischen Übungslied, korrigierten ein paar Töne und den luftigen Einsatz.
Dann also nahmen wir uns "I Dreamed A Dream" aus Les Misérables vor. Wie vorgesehen arbeiteten wir kurz an der tiefen Stelle, dann noch an einer Pause, bei der A. immer gerne zu früh einsetzt.
Da war die Zeit dann auch schon um. A. habe ich empfohlen, mal darüber nachzudenken eine Dreiviertelstunde Unterricht zu nehmen. Der Vorteil bei meinen Fünferkarten ist ja, dass man in fünf Wochen auch sagen kann, man nimmt mal wieder nur eine halbe Stunde Unterricht, weil beispielsweise das Auto Geld verschlungen hat - ich bin da ja flexibel. ;-)

Über J. (7) im Klavierunterricht konnte ich mich freuen, weil sie so einwandfrei die Namen der Noten wusste.
Genau genommen: Sie sieht die Note, weiß welche Taste sie da spielen muss, und überlegt wie die Taste heißt. Das ist aber fast das selbe und führt ja auch zum Ziel. :-)
Sie spielte "Yankee Doodle" fehlerlos, und auch wenn die Melodie von der rechten in die linke Hand wechselt, entsteht kein "Loch", sondern sie spielt flüssig weiter. Vor allem: So etwa die Hälfte des Liedes war auch legato gespielt. Ich bemerkte, dass sie das immer mal wieder vergisst, und es ihr dann wieder einfällt und sie sich daran erinnert. Das ist natürlich super, denn es sprich für die "intrinsische Motivation": Sie selbst möchte es richtig machen. :-) Heute kam dann auch endlich der fünfte Finger der rechten und linken Hand dran, mit den neuen Tönen f und g1. Mit diesen neuen Tönen spielten wir das Lied "Klettermax" - und plötzlich war es durchgängig legato! Das war toll - da scheint der Knoten geplatzt zu sein und es funktioniert!! :-)
J. bekam noch ein Arbeitsblatt mit, auf dem sie Notennamen eintragen und selbst Noten schreiben soll.

Mit C. (41) arbeitete ich dann weiter an einer ausgeglichenen Kopf- und Bruststimme. In Zukunft werde ich mich mit ihm besonders auf den Stimmsitz konzentrieren, der auch noch dieses Klangideal fördert. Wir arbeiteten die ganze Zeit über an "An Chloe" von Mozart. Da sind noch ein paar Tonsprünge unklar, und ein paar Rhythmen mussten bearbeitet werden. Es ist auch kein leichtes Lied, hat einen großen Tonumfang. Geben wir ihm noch ein paar Wochen, dann hat C. das auch drauf.

Und abends rief mich noch eine Dame an, die Gesangsunterricht nehmen möchte. Auf sie freue ich mich jetzt für nächste Woche.

23.9.15 15:45, kommentieren

Stimmsitz

Im Einsingen für unsere heutige Chorprobe achtete ich ganz besonders auf den Stimmsitz und machte zwei sehr passende Übungen dazu. Alles andere, was bei Einsingen und technischen Übungen üblicherweise so abgedeckt wird, war natürlich auch mit drin, aber der Stimmsitz hatte heute Priorität.

Zuerst probten wir "Halleluja! Du bist die Quelle". Das hatten wir letzte Woche angefangen. Bis auf zwei Einsätze der Männer klappt es schon ganz gut, und diese verbesserten sich heute auch. Der Alt muss außerdem ganz aufmerksam daran denken, legato zu singen, während der Sopran Staccato-Töne "oben drauf setzt".

Dann folgte "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Wir mussten ein wenig Sicherheit im zweistimmigen Mittelteil wiedererlangen. Auf der letzten Seite holperte es bei den Männern etwas. Beim Bass erinnerte ich nochmal daran, wie lange ein bestimmter Ton gehalten wird und erklärte einen bestimmten Einsatz.
Wir werden das Lied am 1. Advent singen, bis dahin klappt es sicher gut.

Nach der Pause begannen wir noch ein Adventslied, das der Chor von früher noch deutlich in Erinnerung hatte. Die Töne gingen fast überall einwandfrei, lediglich den Rhythmus musste ich teilweise in Erinnerung rufen.
Ob ich zum Schluss den Sopran das Solo singen lasse, oder eine Solistin haben werde, kann ich heute noch nicht sagen. Dafür werde ich überprüfen, wer am höhensichersten ist, denn das geht bis zum fis rauf, und soll dann natürlich unbedingt schön klingen.

22.9.15 15:25, kommentieren

Mozart, ein Herbstlied und ein Marsch...

Heute kam zuerst R. (69) zu mir in den Gesangsunterricht. Es war ihre erste Stunde bei mir. Sie singt in meinem Kirchenchor und hatte früher schon mal Gesangsunterricht. Da sie oft heiser ist, und ihre Logopädin das befürwortet, wollte sie jetzt wieder mit Unterricht anfangen.
Ihre erste Übung sang sie zunächst versehentlich mit einem Vokal beginnend, da ließ ich sie gleich mit einem Konsonanten anfangen (wie das eigentlich auch üblich ist). Dadurch klangen die Töne gleich weniger luftig.
Dann vermittelte ich ihr zum ersten Mal, wie sie "den Stimmapparat öffnen", also weiten kann. Das setzte sie für's erste Mal super um, viele Schüler brauchen da mehr Hinweise. Darauf klang dann ihre Stimme auch größer, wärmer, und in der Klangfarbe dunkler. Das konnte sie auch selbst hören.
Wir sangen dann, weil ich am Anfang gerne was singen lasse, was bekannt ist, "Komm lieber Mai und mache" von Mozart. Wir sangen es in verschiedenen Tonarten, um herauszufinden, wo sie sich für den Anfang am wohlsten fühlt. Ich achtete vor allem auf den Legatogesang, vor allem beim höchsten Ton, den sie sonst nur ein wenig anpiekst ohne ihn in die Phrase einzubinden.
Die Unterrichtszeit war schnell um, und ich freue mich darauf, mit ihr weiter zu arbeiten.

Dann kam meine andere erwachsene Gesangsschülerin.
Nach einem Einsingen, ebenfalls nach dem Motto "öffnen, öffnen, öffnen!" sangen wir "Komm lieber Mai und mache" ebenfalls, da sie das im Repertoire hat. Das ließ ich sie dann auch noch alleine singen - sie singt nicht so gern alleine - damit ich mehr darauf hören konnte, wie sie da in die Höhe geht. "Von unten nach oben" ist bei vielen Leuten kritisch, und auch diese Schülerin nimmt da gerne zu viel Bruststimme mit nach oben. Nach ein paar Korrekturen besserte sich das dann.
Zum Abschluss sangen wir noch einmal "Bunt sind schon die Wälder", passend zur Jahreszeit. ;-)

Schließlich hatte ich F. (11) im Klavierunterricht. Sein Schultag hatte heute auf Grund eines veränderten Vertretungsplanes mit einiger Verwirrung angefangen - da hatte er Redebedarf, das merkte ich, also ließ ich ihn ein wenig erzählen.
Dann gingen wir an den ersten Satz seiner kleinen Sonatine. Die Stellen, die einander ähnlich sind und deshalb besonders sitzen müssen, konnte er viel besser als letztes mal. Ein paar Kleinigkeiten gab es noch zu korrigieren, kein Problem. Woran ich mich aber tatsächlich noch störe, ist die Lautstärke: Er spielt insgesamt deutlich zu leise. Wenn sein Piano kaum noch Klang hat, wohin will er dann noch, wenn es irgendwann mal pianissimo heißt? Also forderte ich ihn viel, viel auf, lauter zu spielen. Da darf er noch deutlich mehr Mut entwickeln. Außerdem möchte ich doch, dass dieser Satz einfach noch deutlich sicherer wird, denn das war zwar nicht schlecht, aber er kann es mit Sicherheit noch besser.
Zum Schluss begannen wir einen Marsch. Die rechte Hand spielte er durch, da waren die Grundlagen klar. Zur linken Hand kamen wir leider nicht mehr: Bis auf zwei Stellen besteht die aber nur aus zwei verschiedenen Tönen, deshalb soll er sie selbst erarbeiten und dabei genau auf den Rhythmus achten.

Mit diesen Aussichten bin ich gespannt auf die nächste Woche. :-)

18.9.15 19:19, kommentieren

Wir hatten...

...eine anstrengende und vielfältige Chorprobe. Nach einem guten, abwechslungsreichen Einsingen arbeiteten wir zuerst kurz an "Moon River". Wir sagen überwiegend durch, klärten aber auch ein paar Töne. Darauf folgte "Nothing's Gonna Change My Love For You". Ich achtete vor allem darauf, dass mein mit dem Vorspiel vorgegebenes Tempo auch übernommen wird. Außerdem verlangte ich vom Sopran am Anfang, der recht tief ist, schöne warme und nicht zu bruststimmige Töne. Bei den Männern waren wir wieder an der rhythmischen Stelle, die noch nicht hunderprozentig, aber schon viel besser klappt. Wenn das Hauptthema einsetzt, dann bitte immer wieder mit mehr Energie als in der Strophe davor. Dann ging es an das "Ave Verum" von Edward Elgar. Da musste ich, weil ich das ein paar Wochen nicht drangenommen hatte und ja auch nicht immer jeder da ist, die unteren Stimme nochmal wiederholen. Ansonsten war es aber gut, auch die Phrasierungen kamen und der Schluss im Piano, auf einem Bein stehend klang auch schön. Nach der Pause nahm ich dann "Greensleves" dran. Das hat eine sehr schöne Begleitung. Die Bässe haben da einige Male allein die Melodie. Wir hatten leider heute nur einen Bass (!) und ein Tenor sprang ein, der es dann nicht immer leicht hatte, weil er die Töne im Bass natürlich noch nicht kennt. Es war aber schön, dass er den einen Sänger unterstützte. Da muss noch souveräner eingesetzt werden. Der Sopran soll im letzten Teil während der Proben auf einem Bein stehen - und sofort hatten sie mehr Kontrolle über die Töne, die vorher ab und zu mal gekiekst hatten. Das erkannten die Sängerinnen auch selbst, das ist natürlich super! Da soll dann auch noch mehr legato gesungen werden, während die unteren Stimmen den 6/8-Takt deutlich singen. Zum Abschluss gab es noch "That's What Friends Are For". Da begleitete eine Organistin aus dem Chor und ich konnte dirigieren. Das ist natürlich ein sehr schöner Luxus, den ich genieße. Zudem sind die Noten bei dem Lied blöd: Es gibt zwei Ausgaben, eine NUR mit den Chornoten, und eine NUR mit den Klaviernoten - da müsste ich ja permanent hin und her springen und sehe gar nicht auf den ersten Blick, was der Chor gerade singen muss - total ungünstig. Wir beachteten in diesem Lied eine Rhythmusstelle, betonten den mehrfach auftretenden Satz "that's what friends are for" besonders und schauten teilweise auf die Lautstärke. Hinterher gab es noch ein wichtiges Gespräch mit der Vereinsvorsitzenden und zwei Sängerinnen, dann ging's nach Hause. Wir haben heute viel geschafft und sind wieder gut vorangekommen. :-)

17.9.15 11:16, kommentieren

Es gibt viel zu tun...

Heute muss ich versuchen, mich in allem ein wenig kurz zu fassen, sonst wird das echt ein Roman.

Gestern die Chorprobe mit dem Kirchenchor lief gut. Wir frischten Advents- und Weihnachtslieder vom letzten Jahr auf. Die gingen noch recht gut. Und wenn so etwas noch gut sitzt, zeigt das dass man vor einem Jahr gut gearbeitet hat. Man kennt das ja von den Gedichten, die man vor Jahrzehnten für die Schule auswendig gelernt hat. Dass man die häufig noch kann beweist ja auch, dass sie mal "saßen". ;-)
Da fragte mich eine Sängerin dann ganz vorsichtig, ob wir denn auch neue Lieder...? Ja klar singen wir auch neue Lieder - ich hatte halt mal mit der Auffrischung der alten angefangen. :-)

Heute kam als erstes A. (44) zum Gesangsunterricht. Nach dem Einsingen und den technischen Übungen arbeiteten wir an "I Dreamed A Dream" aus Les Misérables. Da ging es dann vor allem um eine sehr tiefe Stelle in der Mitte. Häufig geht sie da zu hart und bruststimmig runter. Andererseits ist das aber auch eine dramatische Stelle, die nicht dünn klingen darf. Also ließ ich sie diese Töne erst mal weich summen, dann auf "mu" singen, damit sich da mehr Kopfstimme reinmischt und das weicher, aber nicht dünn klingt. Daraufhin klang das gleich viel besser! :-)

Mit J. (7) wiederholte ich am Klavier die neuen Töne, die sie super wusste. Auch die Hausaufgabe (f, mf, mp und p für forte, mezzoforte, mezzopiano und piano schreiben und ein Crescendo- und Decrescendozeichen zeichnen) hatte sie super gemacht.
Das kleine Stück, das sie die Woche über geübt hatte, spielte sie schön und einwandfrei: Sie hielt gut das Tempo und spielte legato!
In ihrem neuen Stück "Yankee Doodle" wurde es nun schon etwas abwechslungsreicher: Es kommen ein paar kleine Sprünge und mehr Wechsel zwischen der linken und rechten Hand vor. Darum sangen wir das Lied vorher mehrmals, damit sie bereits eine Melodievorstellung hat, wodurch es ihr leichter fällt. Daraufhin klappte das auch schon recht gut. Völlig ohne meinen Hinweis erkannte sie super, dass der vierte Finger der linken Hand für einen bestimmten Ton schon "bereit" sein muss - das fand ich toll!! :-)
Nur ans Binden - J. sagt schon ganz von selbst "legato" - muss ich wieder und wieder erinnern, aber das ist in der fünften Stunde noch völlig normal.
Sie wusste auch noch absolut, wie die Viertel- und die Halben Noten heißen. Das hatte ich natürlich gesagt, aber nicht mehrfach wiederholt!
Als zusätzliche Hausaufgabe soll sie auf einem Arbeitsblatt die Zweier- und Dreiergruppen der schwarzen Tasten einkreisen.

Dann kam C. (41). Mit ihm machte ich unter anderem Übungen von unten nach oben. Normalerweise macht man das eher umgekehrt, aber bei ihm möchte ich, dass sich in die Kopfstimme noch mehr Bruststimme mischt, deshalb hat das Sinn so.
Wir sangen dann "An Chloe" von Mozart. Ich musste vorläufig noch mitsingen, da die Melodie sehr abwechslungsreich ist und einen großen Tonumfang hat, aber er sagte selbst, dass es zum Schluss anfing Spaß zu machen, weil er immer sicherer wurde. :-)
Als Hausaufgabe gab ich ihm Merksprüche zum Auswendiglernen, damit ich ihn häppchenweise Notenlesen lehren kann. Das ist beim Gesangsunterricht nicht unbedingt mit drin, aber für C. wäre es wertvoll, da er gar keine Notenkenntnisse hat.

Zum Abschluss erteilte ich A. (39) noch meine verloste "Gewinnspiel-Gesangsstunde". Sie hatte sich zuvor so in etwa als "talentfrei" bezeichnet, was gar nicht stimmt. Natürlich hat sie jetzt noch kein Stimmvolumen das mich vom Hocker haut, aber das ist ja bei einer unausgebildeten Stimme völlig klar. Die Stimme ist angenehm und sie singt sauber, hat also durchaus Entwicklungspotenzial.
In einzelnen Lagen war sie klangstärker, auch das ist ganz klar, immer da, wo sie sich wohl und sicher fühlt und in einer angenehmen Mittellage. Den Vokalausgleich setzte sie gleich super um, das muss ich sonst immer viel mehr erinnern und erklären. Das war toll.
Sie will vielleicht vierzehntägig Unterricht nehmen und interessiert sich außerdem für Klavierunterricht für ihren Neunjährigen. Das wäre ja eine schöne Entwicklung!

16.9.15 13:55, kommentieren